Grußwort der Queerbeauftragten Sophie Koch

Gerade erfährt die Romanze zweier rivalisierender Eishockeyspieler weltweite Aufmerksamkeit: eine ungewöhnliche, eigentlich unmögliche queere Liebesgeschichte, die ein Publikum weit über die queere Community hinaus begeistert. Dass eine solche Serie heute – wie auch schon manche Filme und Serien vor ihr – im Mainstream Erfolge feiern kann, ist ein Erfolg des queeren Kinos und Films. Queere Filme verändern Wahrnehmung. Sie erweitern den Blick, brechen Stereotype auf und zeigen, wie vielfältig Liebe, Begehren, Familie, Freundschaft und Identität sein können. 

Damit leisten queere Filmfestivals einen unverzichtbaren Beitrag zur kulturellen und gesellschaftlichen Debatte. Sie machen deutlich: Queeres Leben ist kein Randthema, sondern ein selbstverständlicher Teil unserer gemeinsamen Realität. 

Queere Filme schaffen Sichtbarkeit – und diese ist heute wichtiger denn je. In Zeiten, in denen queere Rechte wieder offen infrage gestellt werden, in denen Hass lauter wird und gesellschaftliche Diskurse rückwärtsgewandt erscheinen, braucht es Orte wie queere Festivals. Orte, an denen queere Lebensrealitäten nicht erklärt oder verteidigt werden müssen, sondern selbstverständlich im Mittelpunkt stehen.

Orte, an denen Identifikation möglich ist – für queere Menschen, die sich auf der Leinwand wiederfinden, ebenso wie für eine Gesellschaft, die durch diese Geschichten lernt, differenzierter hinzuschauen. Gleichzeitig sind queere Filmfestivals immer auch politische Räume. Sie erinnern daran, dass Rechte nicht selbstverständlich sind, sondern erkämpft und verteidigt werden müssen. Dass Schutz vor Diskriminierung, Gewalt und Ausgrenzung keine abstrakten Forderungen sind, sondern konkrete Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Leben. Queere Sichtbarkeit ist kein Luxussie ist eine Frage von Sicherheit, Würde und Freiheit. 

Dass queere Geschichten heute zunehmend auch im Mainstream ankommen, ist ein Erfolg jahrelanger Arbeit mutiger Filmschaffender und engagierter Festivalteams. Es zeigt: Es lohnt sich, queere Geschichten jenseits gängiger Klischees zu erzählen und damit viele Menschen zu erreichen. Queere Geschichten gehören selbstverständlich ins queere Kino – und sie müssen im Mainstream ebenso selbstverständlich werden. Mein Dank gilt allen, die queere Festivals möglich machen: den Organisatorinnen, Kuratorinnen, Filmschaffenden und dem Publikum. Die QueerScope-Festivals sind ein Zeichen der Solidarität, ein Ort der Identifikation und ein starkes Statement für eine offene, vielfältige und gerechte Gesellschaft. 

Sophie Koch 
Queerbeauftragte der Bundesregierung